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News mit dem Tag »Flash«

Dass die geplante Übernahme von Macromedia durch Adobe hohe Wellen in der Publishing-Szene schlagen würde war zu erwarten. Dass wir die endgültigen Folgen der Fusion erst in ein paar Jahren wissen werden ist auch klar, aber dennoch scheint sich das halbe Web zurzeit Gedanken darüber zu machen, welche Tools und welche Formate am Schluß übrig bleiben:

Eigentlich sollte man denken, daß dieses Thema nun durch sei, da sämtliche aktuellen Browser ab Werk unerwünschte Popups blockieren können. Bis ein findiger Tüftler herausgefunden hat, daß man diese Blockade umgehen kann, indem man die Fenster einfach aus einem Flash-Film heraus öffnet – und sämtliche Browser fallen darauf rein.

Für Firefox gibt es eine neue Erweiterung, die sämtliche Popups unterdrückt – die aus Flash-Filmen, aber leider auch solche, die der Benutzer ganz bewusst ausgelöst hat: »Say goodbye (again) to pop-ups!«

Nutzer mit handwerklichem Talent können auch kurzerhand about:config ins Adressfeld eintippen und bei disable_from_plugins den Wert 2 eintragen, der Effekt ist derselbe. Wo wir gerade bei dem Thema sind: ein Artikel von Nigel McFarlane beschäftigt sich mit den vielfältigen Einstellungen der Gecko-basierten Browser: »Ten Mysteries of about:config«.

Heute endlich mal wieder zum Kernthema:

Eines der Märchen um barrierefreies Webdesign ist, daß sich alles immer auf wohlstrukturierte Texte und semantisch sauberes Markup reduzieren lassen muss. Dabei soll es manchmal auch einfach nur Spaß machen. Schön wenn dann dabei auch noch an den Zugang und die Bedienung per alternativen Ausgabemedium gedacht wird. So wie bei den Screenreader-kompatiblen Flash-Spielen, die wir bei nhlbi.nih.gov fanden: »Mission Z Game Pad« (Achtung, in JAWS vorher den virtuellen Cursor abschalten). Viel Spaß.

IBM hat eine neue Version 3.04 des Home Page Reader vorgestellt. Neu sind unter anderem die direkte Unterstützung von getaggten PDF-Dokumenten und barrierefrei aufbereiteten Flash-Filmen. Nach Aussage des Herstellers werden nun auch die W3C-Empfehlungen zu HTML 4.01, WCAG 1.0 und vor allem UAAG 1.0 unterstützt. Die neue Version liest aber nicht mehr nur Webseiten vor, sondern mausert sich zu einem ausgewachsenen Screenreader. So lassen sich jetzt verschiedene Windows-Anwendungen und auch das Betriebssystem selber mit dem HPR navigieren. Weitere Informationen in Englisch und Download bei IBM.

Auch wenn andere darin die »Revolution der Webtypografie« sehen, die Barrieren bei den sIFR oder FIR genannten Techniken zur Ersetzung von Text durch Bilder bleiben bestehen. Einen guten Teil der Probleme hatten wir ja bereits hier bei EfA im Artikel »Image Replacement-Techniken nicht zugänglich für Sehbehinderte« aufgezeigt. In eine ähnliche Kerbe schlägt John Allsopp, CSS Samurai des Web Standards Project in einem Interview mit der australischen Web Standards Group. Fazit:

  • die dikutierten Techniken vermischen Inhalt und Präsentation,
  • die Skalierbarkeit ist nicht mehr gegeben,
  • Änderungen oder alleine die simple Beseitigung von Tippfehlern vervielfachen den Aufwand.

Ganz schlimm wird es dann, wenn Techniken zum Einsatz kommen, bei denen man im Gegensatz zu dem für sIFR benötigten Flash nicht davon ausgehen kann, dass diese überhaupt von einem meßbaren Teil der Nutzer dargestellt werden können. So wie die in einem Workshop in der aktuellen PAGE 12/2004 vorgestellte Variante über die Einbindung mit dem Vektorgrafikformat SVG. Diese Technik ist zwar aus rein technischer Sicht zumindest theoretisch barrierereduzierter, aber vollkommen an der Realität im Web vorbei.

Flash ist das häufigste Werkzeug, um interaktive und multimediale Inhalte ins Netz zu bringen und wird immer häufiger benutzt, um die Oberflächen für komplette Webanwendungen zu erstellen. Das die dabei entstehenden Barrieren in weiten Teilen vermieden werden können, hatten wir in unserer Serie »Flash MX und die WCAG-Richtlinien« aufgezeigt.

Das Projekt Drempels Weg, die Stiftung Bartiméus und das niederländische Ministerium für Volksgesundheit veranstalten nun gemeinsam einen Wettbewerb für Flash-Anwendungen, die nicht nur hübsch sind, sondern auch zugänglich: Flash toegankelijkheid webstrijd. Zu gewinnen gibt es übrigens drei iPods.

Eine ganze Reihe von Beispielen, in denen sich die Autoren ernsthafte Mühe um die Zugänglichkeit von Flash-Inhalten gegeben haben fanden wir via Bob Regan: »My favorite accessible Flash sites«. Besonders beeindruckend die Demo von BankOne, die dem Vernehmen nach auch sehr gut mit Screenreadern wie JAWS und Window-Eyes zugänglich ist.

Wo wir gerade bei Flash sind: Kevin Lynch, Chief Software Architect von Macromedia hat in Tokyo eine Demo des kommenden Flash Players 8 abgeliefert (Videomitschnitte gibt es bei Colin Moock). Unterdessen macht man sich in der Blogosphäre weiter Gedanken darüber, wie man das Flash Satay-Konzept weiter verbessern kann, um Flash und andere <object>-Kandidaten standardkonform in HTML-Seiten einbetten kann:

Nachtrag: Lesenswert auch der Artikel von Angie Radtke bei css-technik.de: »Flash standardkonform und barrierearm in XHTML einbinden«.

Bei maani.us fanden wir ein faszinierned einfaches PHP-Skript, mit dem sich in Echtzeit wirklich schöne Flash-Diagramme erstellen lassen. Ausgangsmaterial ist eine saubere Datentabelle, die man auch alternativ anzeigen könnte, falls beim Anwender kein Flash-PlugIn vorhanden ist: »PHP/SWF Charts«

Marko Dugonji? aus Kroatien zeigt, wie man mit ein wenig PHP und sauberem Ausgangsmaterial in 10 Minuten eine Druckversion seiner Seiten bauen kann: »10 Minutes to Printer Friendly Page«.

CSS-Guru Eric Meyer zeigt in »(X)HTML / CSS / JS Slideshow« eine Präsentation nach Art von PowerPoint & Co., die nur aus einer einzigen HTML-Datei besteht, per CSS formatiert ist und per JavaScript gesteuert wird.

Ralph G. Schulz zeigt bei css-technik.de einen interessanten Ansatz zum ewigen Thema Mehrspaltiges Layout mit gleichen Höhen: 2-Spalter Klassik.

Die wöchentliche Linkschleuder zum Thema CSS & HTML:

Einen interessanten Vergleich zweier Webtechnologien fanden wir via WSA. Die Website von newezra.com

Abgesehen von den üblichen Überblend-Effekten und der wohl unvermeidlichen Hintergrundmusik sind nicht nur die Inhalte identisch, auch die Oberflächen sind sich zum Verwechseln ähnlich.

Was allerdings auffällt ist die bei weitem längere Ladezeit der Flash-Version, die ungeglättete, pixelige Schrift auch auf hochwertigen Monitoren, die mangelnde Skalierbarkeit der Inhalte und die unmögliche Anpassbarkeit an verschiedene Ausgabemedien. Welche Version man nun »schöner« findet ist letztendlich Geschmackssache, aber die rein technischen Daten sprechen in diesem Fall für HTML. Und wenn es nur die Möglichkeit ist, den Text zu durchsuchen und sich Bookmarks für einzelne Seiten anzulegen.

Wie man es besser machen könnte zeigt Bob Regan von Macromedia in seiner neulich gestarteten Flash Test Suite: »Simple Text Navigation«.

Weil mittlerweile die meisten aktuellen Screenreader mit einer Unterstützung für das Flash-Format ins Rennen gehen, werden auch immer mehr Unterschiede oder Unzulänglichkeiten in der Umsetzung bekannt. Um diese Unterschiede zu dokumentieren und den Entwicklern bei der Implementierung von Flash zu helfen haben Bob Regan vom Flash-Hersteller Macromedia und Andrew Kirkpatrick vom amerikanischen National Center for Accessible Media nun eine Testreihe gestartet: Flash Test Suite. Den Beginn machen eine Reihe Test Cases für Buttons in Flash, in den kommenden Wochen sollen weitere folgen.

Wenn jemand aus der geneigten Leserschaft über einen entsprechend ausgerüsteten Screenreader verfügt – die beiden freuen sich über jedes Feedback. Die Testreihe könnte in Zukunft auch wertvolle Hinweise für Flash-Entwickler geben, die ihre Filme möglichst barrierearm anlegen wollen. Mehr zum Thema Flash und Zugänglichkeit lesen sie in userer Serie »Barrierefreieres Multimedia - Flash MX und die WCAG-Richtlinien«.

Via WaSP: Das vektorbasierte Format SVG (Scalable Vector Graphics) kommt seit Jahren nicht aus den Startlöchern heraus, obwohl es eigentlich (zumindest theoretisch) großes Potenzial hätte. Das könnte an der geringen Verbreitung von Browsern und Plug-Ins liegen, die SVG von Hause aus unterstützen. Diese wiederum sind einigermaßen schwierig zu entwickeln, da sich die gesamte SVG-Spezifikation des W3C ausgedruckt über 700 Seiten DIN A4 erstreckt – kein Wunder daß sich da bisher kaum jemand rangetraut hat.

Einen Schub könnte das Format nun aus einer ganz unerwarteten Ecke bekommen. Wie /. berichtet, plant der Hersteller von Flash nach den Worten von Troy Evans, Produktmanager Mobile and Devices bei Macromedia die Unterstützung von SVG-T (T für tiny = klein) in der Version Flash Lite 1.1 für mobile Endgeräte.

Wie bereits gemeldet können mit der Veröffentlichung des Internet Explorers Windows XP SP2 nun alle aktuellen Browser von Hause aus unerwünschte Popup-Fenster blocken. Via Jeremy Keith erreicht uns allerdings die Nachricht, dass findige Tüftler einen Weg gefunden haben, diese benutzerseitigen Einstellungen zu umgehen und das Öffnen von Popups nicht über den onload-Event in JavaScript auszulösen, sondern über einen eingebetteten Flash-Film. Auch Flash führt bekanntlich JavaScript aus und kann neue Fenster öffnen, aber sowohl Mozilla (Bug #176079) als auch Opera oder Safari erkennen dies nicht und öffnen ein neues Fenster, sobald der entsprechend präparierte Flash-Film lädt – auch wenn der Benutzer dies eigentlich in seinen Einstellungen unterbunden hatte.

Um dies zu verhindern ist das radikale Abschalten von JavaScript oder Plug-Ins wie meistens der falsche Weg. Sinnvoller erscheint uns hier die FlashBlock-Erweiterung von Drake, Mielczarek und Ruderman, die das Flash-Objekt durch einen Button ersetzt, den der Benutzer drücken muss, um den Film abzuspielen.

Weil Flash nach wie vor Probleme in der Zugänglichkeit verursacht, galt bisher die eherne Regel, diese Technik nicht für essentielle Inhalte und Funktionen zu verwenden. Trotzdem kann man mit Flash nicht nur sehr schöne Effekte erzielen, sondern (wenn man es richtig macht) auch komplette plattformunabhängige Anwendungen erstellen. Für die Navigation einer ansonsten statischen Seite würden wir es aber nie einsetzen.

Oder vielleicht doch? In Ranjan›s Weblog aus West-Samoa fanden wir ein interessantes Experiment, das zwar bei installiertem Flash und aktiviertem JavaScript als eingebettetes Format daherkommt, ohne diese Techniken aber eine simple Liste von Links ist, die man dann mit etwas CSS formatieren kann: Accessible Flash Navigation. Sehr schlank, freundlich zu Suchmaschinen und von den ältesten Browsern noch lesbar.

Wie wir neulich wieder im Rahmen einer Veranstaltung feststellen durften, herrscht bei vielen Web-Verantwortlichen immer noch die Meinung vor, mit multimedialen Inhalten könne man nicht barrierefrei sein und deswegen sollten diese vom Server gelöscht werden. Andererseits haben wir auch auf einer anderen Veranstaltung mit einer Reihe von Flash-Entwicklern gesprochen, die ehrliches Interesse und Bemühungen zeigten, ihre Produkte auch für weitere Zielgruppen zugänglich zu gestalten.

Dabei stehen gerade die Flash-Entwickler häufig unter dem Beschuss der Hardliner in der Webszene, die am liebsten alles, was sich bewegt aus dem Netz verbannt sehen würden. Daß man mit multimedialen Inhalten ebenso sein Zielpublikum erweitern kann wie mit der rein technischen Barrierefreiheit eines Angebotes wird dabei oft übersehen.

D. Keith Robinson bringt ein paar sehr sehenswerte Beispiele, wie Flash das gesamte Erleben einer Site unterstützen kann und der Code immer noch nach den etablierten Standards validiert: Flash Sells! (Web Standards?). Wie so etwas geht, erklärt Anne van Kesteren in Using OBJECT in the real world. Welche Probleme dabei auftreten können, wird im Blog von web-graphics.com diskutiert (Tipp: runterscrollen bis zum Kommentar von John Dowdell).