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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

21 Jul 2009

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde vom Deutschen Behinderten­rat gebeten, sich für die neue Verord­nung zur Schaffung barriere­freier Infor­mations­technik (BITV 2) nach dem Behin­derten­gleich­stellungs­gesetz einzusetzen.

Der Deutsche Behindertenrat fürchtet, dass eine weitere Ver­zögerung angesichts der bevor­stehenden Bundes­tags­wahlen dazu führen wird, dass diese Ver­ordnung nicht, wie ur­sprüng­lich ange­dacht, jetzt er­lassen wird, sondern noch weitere Monate auf sich warten lässt. »Dies ist aus unserer Sicht nicht hinnehm­bar. Wir bitten Sie daher sehr um Ihre Unter­stützung, damit wir dem Ziel der um­fassenden Teil­habe auch in diesem Bereich endlich ein Stück näher kommen«, heißt es in einem Brief des Aktions­bündnisses der Behin­derten­verbände.

Das am 27.04.2002 in Kraft getretene Gesetz zur Gleich­stellung behin­derter Menschen (BGG) verfolgt das Ziel, behin­derte Men­schen in die Lage zu ver­setzen, in gleicher Weise wie nicht­behin­derte Men­schen am gesell­schaft­lichen Leben teil­zu­haben. Um dieses Ziel zu ver­wirk­lichen, hat der Gesetz­geber das BGG mit ent­sprechen­den Verord­nungen flankiert, von denen sich die BITV in heraus­ragender Weise des Themas Infor­mations­technik widmet.

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»Die neuen Infor­mations­techniken spielen in der heutigen Gesell­schaft eine an Bedeutung zunehmende Rolle und sind einer Dynamik unterworfen, die einer ständigen Über­prüfung und An­passung bedürfen. Der Ver­ordnungs­geber hat dies erkannt und für die BITV nach drei Jahren eine Über­prüfung fest­geschrieben. Dieser Zeit­raum ist seit geraumer Zeit abgelaufen und das feder­führende Minis­terium hat sich bemüht, im ständigen Kontakt und Aus­tausch mit den Be­hinderten­ver­bänden eine BITV 2 zu formu­lieren, die dem o. g. Anspruch Rechnung trägt und auf Weiter­entwicklungen und Empfehlungen des W3C reagiert«, heißt es weiter in dem Brief.

Jetzt liegt seit einem halben Jahr ein abge­stimmter Entwurf der BITV 2 vor. »Allerdings sehen wir nicht, dass dieser in die Tat umgesetzt wird bzw. als BITV 2 erlassen wird. Dem DBR ist es wichtig, dass die Weiter­ent­wicklung der Ver­ordnung, die jetzt auch auf die Belange von Personen­gruppen wie lern­behinderte, gehör­lose und geistig behinderte Menschen eingeht, unver­züglich umge­setzt und die alte BITV abgelöst wird«, betont der Deutsche Behinderten­rat. Der Anspruch auf eine unein­geschränkte Teil­habe am gesell­schaftlichen Leben und der Zugang zu Infor­mationen und zu Kommu­nikations­wegen sei auch im Hin­blick auf die Behin­derten­rechts­kon­vention der Vereinten Nationen dringend zu realisieren. Jeder Aus­schluss bedeute Diskrimi­nierung.
(via kobinet)

Kommentare zu dieser Meldung: 2

Permalink Martin Kliehm meinte am 21.07.2009:

Ich würde eine öffentliche Diskussion des "seit einem halben Jahr abgestimmten Entwurfs" sehr begrüßen. Denn entgegen der Wahrnehmung der Behördenvertreter hat diese Verordnung eine Tragweite weit über den öffentlichen Sektor hinaus. Wenn in Deutschland ein Unternehmen eine barrierefreie Website haben möchte, wird die BITV als ebenso relevant eingestuft wie die WCAG. Einfacher, kostensparender und Insellösungen im vereinigten Europa entgegenwirkend wäre natürlich eine Deckungsgleichheit von WCAG und BITV. Ich möchte aber noch einmal betonen: die BITV ist keine Verordnung allein für Bundesbehörden und sollte sich darum dem Dialog mit anderen Stakeholdern öffnen.

Permalink Andreas Kuckartz meinte am 21.05.2010:

Wo kann denn dieser "abgestimmte Entwurf" der BITV 2 eingesehen werden?