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Aktuelles zum Thema Barrierefreies Webdesign.

30 Apr 2007

Heute mit einer Brückentags-kompatiblen Kurzausgabe. Ein Link, für den uneingeschränkter Lesebefehl erteilt wird: »hAccessibility«. James Craig und Bruce Lawson von der WaSP Accessibility Task Force über ungewünschte Nebeneffekte bestimmter Mikroformate, die sich aus einer zu liberalen Auslegung bzw. semantisch fragwürdigen Anwendung von HTML-Elementen wie ABBR für manche Computer-Hilfsmittel ergeben. Wie es sich gehört mit Testcases und Verbesserungsvorschlägen.

Kommentare zu dieser Meldung: 7

Permalink molily meinte am 30.04.2007:

Es scheint endlich durchzusickern, dass man notwendigerweise in Schwierigkeiten gerät, wenn man ein bestehendes Set an Markup benutzen will, um neue Semantik auszudrücken, ohne den Wortschatz zu erweitern. In HTML kann ich nunmal die Aussage »Dies ist derselbe Inhalt nur in einem maschinenlesbaren Format« nicht formulieren, ohne eine Aussage zu machen, die auch ganz anders, nämlich im eigentlich Sinne, verstanden werden kann. Genau das passiert bei der Verwendung von abbr mit dem title-Attribut.

Mikroformate leben gerade davon, keine neuen Elemente oder Attribute, also »Prädikate« im Sinne von RDF, einzuführen. Das macht sie so stark, darum lieben sie alle. Aber gleichzeitig sind die Mikroformate-»Patterns« immer notwendig zweckentfremdetes, umgedeutetes Markup. Ich sehe das als grundsätzliches, unlösbares, nur abschwächbares Problem.

(Ich stehe aber sowieso auf vernünftig maschinenlesbare Daten und die Form der ununterscheidbaren Einbettung, wie sie mit Mikroformaten betrieben wird, ist für mich eher etwas, das man langfristig zu überwinden suchen sollte..)

Permalink patrick h. lauke meinte am 02.05.2007:

Noch fragwuerdiger als die Zweckentfremdung von ABBR fuer Datum und Zeit finde ich den Vorschlag, ABBR zur internationalisierung von bestimmten Microformaten zu missbrauchen. Siehe die laufende Diskussion An Inconvenient hCard und die vollkommend unsinnige Idee, ABBR hier als Loesung einzusetzen, also zum Beispiel:

<p class="tel"><abbr class="type" title="home">Privat</abbr>: <span class="value">+44 123 456789</span></p>
<p class="tel"><abbr class="type" title="work">Buero</abbr>: <span class="value">+44 234 567890</span></p>

Seit wann ist "work" eine Abkuerzung fuer Buero?

Ach ja, und keyboard accessibility Probleme hats beim Vorschlag fuer hyperlink include patterns auch, aber die werden auch ganz galant einfach uebersehen...

Permalink Wolfgang Wiese meinte am 02.05.2007:

Was soll das lästern?

Es liegt doch letzlich auch und gerade bei den Microformaten am jeweiligen Webentwickler wie sie eingesetzt werden.
Niemand wird einen Webentwickler davon abhalten, die Strukturierungsvorschläge aus den Microformaten so umzusetzen, so daß es auch zugänglich ist.

Diskussionen für fragwürdig zu halten, weil man mit dessen möglichen Ergebnissen nicht zufrieden ist, finde ich komisch.
Dann soll man sich doch beteiligen!

Bei den Mikroformat-Leuten findet jedenfalls eine sehr rege und offene Diskussion statt. Wenn man dagegen zu "Diskussionsrunden" zu anderen Themen, wie XHTML etc schaut, ...

Permalink patrick h. lauke meinte am 02.05.2007:

"Es liegt doch letzlich auch und gerade bei den Microformaten am jeweiligen Webentwickler wie sie eingesetzt werden."

Leider nicht. In all den Faellen, die hier zitiert sind, ist die offizielle Antwort der Microformats Leuter (vor allem Tantek): man [b]muss[/b] unbedingt ABBR benutzen, alles andere ist ausserhalb der mF Spezifikation. Ich kann mich zwar dafuer entscheiden, SPAN anstatt ABBR zu verwenden, aber das ist dann eben nicht ein Microformat und Tools wie Operator fuer Firefox erkennen mein Konstrukt dann nicht.

"Dann soll man sich doch beteiligen!"

James Craig, der zusammen mit Bruce Lawson den Artikel fuer WaSP zusammengestellt hat, ist schon seit laengerer Zeit Mitglied bei der Microformats Liste und Wiki. Ich habe mich kurz nach der Veroeffentlichung des Artikels auch registriert und hab schon in den regen Diskussionen teilgenommen. Was aber schon jetzt, nach ein Paar Tagen hin und her, klar ist, ist dass die Mikroformatler (und eben wieder vor allem Tantek, der ja die Iauf die dee zum Misbrauch von ABBR gekomment ist) sich vehement straeuben, ihre Patterns zu aendern, trotz der dokumentierten Problemen...

Permalink molily meinte am 02.05.2007:

Das abbr-Problem ist sehr offensichtlich und so ziemlich seit Erfindung des entsprechenden Patters bekannt. Damals hätte man die Notbremse ziehen müssen. Stattdessen wird momentan Content mit Mikroformaten ins Web gepustet, der nicht zugänglich ist... was tun? Der einzelne Webautor kann eben nicht Mikroformate zugänglich implementieren. Es ist leider so simpel: Entweder ich zeichne Daten mit dem abbr-Pattern aus, womit ich sie nach den Konventionen maschinenlesbar mache, oder ich mache sie für Screenreader vernünftig zugänglich. Tertium non datur.

Permalink Ansgar Hein meinte am 07.05.2007:

Nachdem ich mich kürzlich erstmals in der Praxis mit Microformats auseinandergesetzt habe, war mir nach dem Lesen der einschlägigen Tutorials (und zahlreicher Artikel zuvor in der Theorie) schon klar, dass es vermutlich Probleme mit Screenreadern geben würde. Ein Praxistest mit JAWS bestätigte mir das dann auch.

Ich will jetzt nicht "Na und?!?" sagen, aber es liegt mir auf der Zunge. Warten auf das nächste HTML-Wunder scheint mir nicht angebracht, also bleibt jetzt nur noch das Festhalten an <abbr> mit allen Schwächen für aktuelle Hilfsmittel. Es gab auch früher schon Dinge, die Screenreader nicht konnten und heute beherrschen. Es wird immer eine Lücke zwischen dem Nach-Vorne-Denken und dem Hinterherentwickeln geben - alles andere ist Stillstand.

Permalink patrick h. lauke meinte am 07.05.2007:

"Na und?!?" scheint eben auch die vorwiegende Reaktion bei den Microformats Leuten zu sein. Was ich nun eben nicht verstehe ist, warum die sich so vehement dagegen wehren, <span> anstatt <abbr> zu nutzen (aus "semantischen" Gruenden, die doch eher fragwuerdig sind).

Aber naja, wenn wir also einsehen, dass Microformats probleme mit JAWS und co. verursachen, kann ich dann eben mit gutem gewissen sagen, dass ich sie - als Web Editor einer mittelgrossen englischen Uni - nicht verwenden werde und meinen Authoren deren nutzung untersagen werde. Und es wuerde mich nicht wundern, wenn viele andere "educational and government" Web Leute das gleiche tun werden...was ja schade ist.